Thailand

  Kurviges Bergland und Hilltribes im Norden, Beaches und Tauchen im Süden

 

Donnerstag, 17. Oktober, 157. Reisetag: Der thailändische Beamte am Grenzübergang von Nong Khai lächelte leicht verunsichert und zog seine imposante Kopfbedeckung noch tiefer ins verschwitzte Gesicht. „Wissen Sie, eigentlich kommen die Touristen ja im Flugzeug zu uns“, meinte er in stockendem Englisch und drehte die Zollpapiere für unser Auto nervös in den Händen. Er war sichtbar erleichtert, als ich ihm meine Hilfe anbot. Gemeinsam füllten wir das Dokument aus und er drückte breitwillig eine ganze Batterie Stempelchen auf die Felder, die ich ihm mit meinem Finger wies und garnierte das Ganze mit einer schwungvollen Unterschrift.

Für die Jungs von der Immigration waren wir „business as usual“ – und routiniert knallten sie den Datumsstempel auf unsere 60-Tage-Visa, welche wir bereits in Shanghai besorgt hatten. 

Kurz darauf kletterten wir zurück in unseren Landcruiser und überquerten zum erstenmal auf unserer Reise einen Grenzübergang auf der linken Strassenseite. Drüben erwartete uns die Zivilisation: zum ersten Mal seit langem wieder gut ausgebaute Strassen, lesbare und in die richtige Richtung zeigende Strassenschilder, ausserdem Tankstellen und Essstände an jeder Ecke.

Damit drang uns auch langsam ins Bewusstsein, dass wir es geschafft hatten! Vor unserer Abreise wollten uns so viele Zweifler weiss machen, dass es unmöglich war, auf dem Landweg von Zürich nach Singapore zu fahren – aber nun waren wir in Thailand, dem erstem Land seit Ungarn, welches für individuell Reisende wieder komplett offen ist. Den schwierigsten Teil unserer Reise hatten wir damit hinter und, und von hier aus, das waren wir uns sicher, würden wir keine Probleme mehr haben, unser Zwischenziel Singapore zu erreichen.

Unser Freude wurde jedoch bald von Magenknurren gestörrt. Doch zum Glück hatten uns  gute Freunde beim Abschied in der Schweiz noch ein paar übrige Baht-Noten aus dem letzten Thailand-Urlaub geschenkt, welche ich nun hervorkrammte, damit wir uns eine erste Portion Thai-Nudeln und dem Auto einige Liter Benzin gönnen konnten.

Dann lehnten wir uns gemütlich zurück und liessen unser Auto gemütlich über das schwarze Asphaltband rollen, welches sich wie eine glänzende Schlange durch die trockene Ebene im Nordosten von Thailand windet. Diese Gegend, überschwemmt in der Regenzeit und oft komplett ausgedorrt in der Trockenzeit, zählt zu den ärmsten in Thailand und wird vor allem von Bauernfamilen bevölkert, welche den ausgelaugten Böden eine karge Ernte abringen.

Die erste Nacht verbrachten wir in Khan Koen einer aufstrebenden Industriestadt, welche sich wie eine Insel aus den umliegenden Feldern erhebt. Wir fanden ein Hotelzimmer für 200 Baht (ca. 8 Franken) und gönnten uns ein feines thailändisches Abendessen mit grünem Curry, Hühnchen mit Cashew-Nüssen und Ananas-Reis.

In den folgenden Tagen fuhren wir in westliche Richtung, vorbei an Nationalparks, wo wir endlich wieder im Auto schlafen konnten, vorbei an ländlichen Dörfern und Städten. Der Verkehr nahm wieder merklich zu und mit ihm auch die klapprigen, stinkenden Lastwagen, oft eigentümliche Gebilde aus rostigem Metall, Blech und Holz, welche uns mit ihrem halsbrecherischen Manövern mehr als einmal einen gewaltigen Schrecken einjagten.  Und wenn wir gerade mal wieder eine Kollision mit einem Lastwagen verhindern konnten, dann waren da noch die Horden von Motorradfahrern.

Die kleinen, auf Höchstgeschwindigkeit frisierten Maschinen haben für die Thais ungefähr die gleiche Bedeutung wie Pferde für die Mongolen. Meist zu zweit, oft auch zu dritt oder zu viert hängen die kleinen, drahtigen Thais wie Äffchen auf dem Motorradsitz, die schmutzigen Füsse in Gummischlappen gefährlich nah am vorbeiflitzenden Asphalt. Mehr als einmal geriet eines dieser Gefährte gefährlich ins Schwanken, weil sich Fahrer und Beifaher alle gleichzeitig nach uns umdrehen und uns fröhlich zuwinken.

In Sukothai gönnten wir uns nach einigen Fahrtagen ein Ladung Kultur und nahmen uns ausgiebig Zeit, um uns die Ruinen dieser alten Königsstadt anzusehen. Die verschieden Trümmer lagen ziemlich weit auseinander, was aber kein Problem war, weil man dazwischen mit dem Auto herumfahre durfte (!) und so kurvten wir zwischen alten Tempeln, Chedis und verwitterten, kopflosen (weil von Souvenier-Jägern abgeschlagen) Buddha-Statuten umher. Bei einer besonders malerischen Ruine mit einem kleinen See davor, setzen wir uns ins Gras. Während wir drauf warteten, dass sich die Sonne glutrot und fotoperfekt hinter den Chedi-Türmchen senkte, fütterten wir streunende Hunde mit den Bisquits, welche wir seit China mit uns rumschleppen.

Am folgenden Tag besichtigten wir eine zweite Ruinenstadt, zirka 70 Kilometer weiter nördlich. Diese Anlage, wilder, ursprünglicher und weniger restauriert als Sukothai gefiel uns noch viel besser und so kletterten wir noch einmal einen ganzen Tag zwischen den Zeugen vergangener Hochkulturen umher.

Dann folgten wir den Wegweisern in Richtung Chiang Mai. Eigentlich wollten wir uns dort mit Ralph Schmitt treffen, Marios ehemaligem Arbeitskollegen, der nun für BMW Thailand in Bangkok stationiert ist. Aber Ralphs Termin in Chiang Mai fiel kurzfristig aus und so mussten bis Bangkok auf ein Wiedersehen warten.

Aber wir wussten uns auch selbe zu bechäftigen und hatten eine gute Zeit in der entspannten Atmosphäre in dieser Stadt, welche als „Tor zum Norden Thailands“ gilt. Die Stadt, in der es nur so wimmelte von langhaarigen Schweden, rotgesichtigen Briten und deutschen Michaels, ist ein richtiges „Backpacker“-Zentrum - mit all den damit verbundenen Begleiterscheinungen wie ein stattliche Auswahl an Guesthouses, zahlreiche Internet-Cafés, laut werbende Reise- und Trekkingveranstalter, Bars und Restaurant, welche Spaghetti, Steaks und Banana-Pancakes anbieten. Mario und ich hatten schon lange keine anderen Reisenden mehr getroffen und auch auf die oben erwähnten Annehmlichkeiten verzichten müssen, weshalb wir genossen, was manche als wüste Ausartungen des Massentourismus bezeichnen würden.

Wir parkierten unser Auto vor dem netten, kleinen Guesthouse, welches wir in einer Seitengasse, unweit vom Nachtbazaar, gefunden hatten und liessen es uns vier Tage lang gut gehen. Wir beantworteten alle anstehenden Emails, schrieben Karten, assen Hamburger, Pizza und tranken dazu Singha-Beer (Mario) oder Wassermelonen-Saft (Angelika), lasen europäische Zeitungen und die Bangkok Post, telefonierten nach Hause, bummelten durch die verwinkelten Gassen und sahen uns ein paar der 33 Tempel an, welche es in der Stadt gibt.

Die Abende – meist bis tief in die Nacht - verbrachten wir immer am selben Ort: dem Nachtbazaar. Die bunte, laute, quirrlige Ansammlung von Ständen und fliegenden Händlern, meist Akha-Frauen in ihrem traditonellen Kleidern und den silberbestückten Mützen, hatte es uns angetan. Das Gewühl von Menschen und Waren, die Mischung aus Geräuschen und Gerüchen, war ein Fest für die Sinne.  McDonalds, Burger King und Pizza Hut links liegen lassend, assen wir am Abend für gewöhnlich in einer der zahlreichen Garküchen und schauten bei Thai-Boxen zu, bevor auch wir uns ins Markt-Getümmel stürzten und lauthals mit den Händlern feilschten. Auf diese Weise entstanden wir einige neue T-shirts, „echte“ Nike-Sandalen für 100 Baht, kunstvoll geschnitzte Essstäbchen, einen kunstvoll aus Schnüren geknoteten Drachen und ein paar alte Opium-Gewichte.

Um zu verhindern, dass wir die letzten freie Lücken in unserem Auto mit Souveniers vollstopften, blieb uns nur eins: Weiterfahren und so zogen wir gegen Norden.

Die vielen ausgeschriebenen Trekkingtouren hatten auch in und die Lust geweckt, etwas zu unternehmen. Chiang Rai schien uns dazu ein guter Ausgangspunkt zu sein.

Wir suchten uns dort ein günstiges Guesthourse und buchten für den folgenden Tag ein Elefantentrekking durch den Dschungel mit Besuch bei diversen Bergvölkern.

  

Pünktlich um 8 Uhr am nächsten Morgen wurden wir von einem rostigen Pick-up abgeholt und zusammen mit vier weiteren Teilnehmern auf die Ladefläche verfrachtet. Dann ging die Fahrt über Stock und Stein zu einem Fluss, wo unser „Guide“ erst ein Boot anheuern musste, welches uns dann in zweieinhalbstündiger Fahrt zu einem Karen-Dorf. Die einheimischen Karen waren vorsichtshalber ausgefolgen und hatten ein paar geschäftstüchtigen Thais Platz gemacht, welche Bananen für die Elefanten sowie die üblichen Souveniers verkauften.

Wir bestiegen hier unsere Reittiere, dass heisst wir kletterten auf ein Holzgestell, unter welches ein Elefant geschoben wurde und wir uns nur noch bequem in die Quersättel auf seinem Rücken setzen konnten. Der Elefantenhüter schwang sich dann hinter die Ohren des Dickhäuters und gemütlich setze sich unser kleiner Tross, bestehend aus drei Elefanten, in Bewegung.

Zuerst folgten wir einem ausgetrampelten Pfad durch Felder, dann aber ging es immer steiler bergauf, mitten hinein in den Dschungel. Der Boden war durch Regen ziemlich rutschig geworden, was die Elefanten nicht gross kümmerte. Sicher setzten einen ihrer riesigen grauen Füsse vor den anderen, ohne auszurutschen. So überquerten wir auch ein Flussbett, wo sich die schweren Tiere geschickt und absolut trittsicher zwischen den Felsen durchmanövrierten.

Die dichte grüne Vegetation war sensationell schön und da Elefanten ja nicht gerade niedrige Tiere sind, bekamen wir den Dschungel auch hautnah zu spüren: Immer wieder peitschte uns diverses Grünzeugs ins Gesicht. 

Nach gut zwei Stunden, in einem Dorf des Lahu-Bergstammes hiess es Absteigen. Lahus sahen uns dabei keine zu. „Weg gegangen zur Feldarbeit“, sagte unser Führer. „Geflohen vor den neugierigen Blicken der Touristen“, dachten wir uns. In Abwesenheit der Lahus zeigte uns der Führer ihre Häuser, die auf Pfählen standen, ihre Werkzeuge und Küchengeräte. In einer der primitiven Kochnischen entzündete er ein Feuer und machte sich daran, unser Mittagessen zu wärmen, welches er in Styropor-Behältern mitgenommen hatte. Der Reis war gut, der grösste Teil des grob zerstückelten Huhns landete jedoch bei den um uns schleichenden Katzen.

Nach einer süssen Ananas zum Desert, machten wir uns zu Fuss wieder auf in den Dschungel. Wir marschierten noch keine Stunde, als wir zu einem kleinen Wasserfall in der Nähe eines weiteren Eingeborenen-Dorfes kamen.

Unser Führer schrie etwas in Richtung der versteckten Holzhütten, worauf sich eine Schar kleiner, ungewaschener Kinder auf uns stürzte. In ihrem Händchen hielten sie bunte, geknüpfte Freundschaftsbänder, welche sie uns entgegenstreckten. Zum Glück hatte ich mir heute morgen noch einige Bonbons und Luftballons eingesteckt – aber die Kleinen zeigten kein Interesse daran!. Sie wollten harte Baht von uns und blickten uns so lange traurig mit ihren riesigen schwarz-braunen Augen an, bis wir uns alle erweichen liessen und ein paar Armbändchen zum Stückpreis von 10 Baht erstanden. Als die Bahtstücke in ihrem zerschliessenen Kleidern verschwunden waren, brachte ich meine Mitbringsel doch noch unter die Kinder!

Mit einem kleinen Laster fuhren wir wieder zurück nach Chiang Rai. Unterwegs hielten wir nochmals bei einem Dorf, diesmal des Akha-Stammes. Dort gehörten Touristenbesuche offensichtlich zur Tagesordnung. Die Bewohner, vor allem die Frauen, hatten sich herausgeputzt und trugen vollständige Trachten und ihren besten Silberschmuck. Es war ein schöner Anblick, doch wir fühlten uns nicht wohl in unserer Haut, als wir durch ihr Dorf liefen. „Menschenzoo“ dachte ich mir und verzichtete aus diesem Grund – wie übrigens die meisten in unserer kleinen Gruppe - auch aufs Fotografieren.

Am nächsten Tag verliessen wir Chiang Rai und fuhren noch weiter nördlich, ins so genannte „goldene Dreieck“. Wir erwarteten einbisschen Schmuggleratmosphäre und ein Hauch von Gefahr an diesem berühmt-berüchtigten Drogenumschlagplatz, wurden aber enttäuscht. Still und friedlich lag die burmesische und die laotische Grenze vor uns, getrennt vom ruhig dahinfliessenden Mekong und sanften, sattgrünen Hügel. Schmuggler und Drogenkuriere sind wohl ausschliesslich „nachtaktiv“ – aber da wir sowieso keine Lust auf eine Begegnung hatten (wer weiss, vielleicht kam ja noch einer auf die Idee, dass er unseren geländegängigen Toyota ganz gut brauchen könnte…), verbrachten wir die Nacht im Schutze des kleinen Dorfes Se Pai, bevor die Fahrt am nächsten Tag weiter durch die Berge ging.

Unser tapferes Fahrzeug kämpfte sich brav die steilen Serpentinen hoch, die einer Fahrt nach Arosa mit den 365 Kurven, alle Ehre gemacht hätten. Mehr Mühe hatte Mario allerdings, wenn es bergab ging: Die Bremsbeläge auf unseren Trommelbremsen waren unter der Dauerbelastung von 3 Tonnen Gewicht auf Papierdicke abgeschliffen und „zogen“ bei weitem nicht mehr so gut wie sie sollten. Und wir befanden uns noch immer im „tiefsten“ Norden und ein Ende der Hügel und Berge war noch nicht abzusehen…

Zur Abwechslung gingen wir einmal unter die Erde und sahen uns eine der Höhlen an, welche sich in die Kalksteinfelsen gefressen hatten. Es handelte sich um eines der grössten Höhlensysteme, welches in Südostasien gibt und man durfte es nur mit einem Führer betreten. Uns war das nur recht, hatten wir doch nicht vor, uns in einer Höhle zu verirren, in der es nur so wimmelte vor Fledermäusen!

Unsere Führerin brachte uns zum Eingang der ersten Höhle und wir traten unseren Weg ins Innere an. Im Schein ihrer Gaslampe leuchteten prächtige Formen, vom tropfenden Wasser ausgewaschene „Pools“, bizarre Stalakktien und Stalagmiten. Über eine aus groben Planken gezimmerte, schmale Leiter gings weiter, tiefer in die Höhle hinein. Am Grund der ersten Kammer befand sich das Ufer eines unterirdischen Flusses. Mit einem beträchtlich schwankenden Bambusfloss setzten wir über in die zweite Höhle. Wir befanden uns tief in den „Eingeweiden“ dieser zweiter Kammer, als unsere Führerin einen entsetzten Schrei ausstiess: Ihre Gaslampe hatte Feuer gefangen und brannte lichterloh. Wir schafften es, das Gas abzustellen und den Brand zu löschen, waren danach aber von kompletter Dunkelheit umgeben. Das muss natürlich ausgerechnet mir passieren, wo ich Fledermäuse doch über alles liebe!

Unsere Führerin kramte einen Kerzenstummel hervor, so dass wir wenigstens ein klein bisschen Licht hatten. Dann blieb uns nichts anders übrig, als auf den nächsten Führer mit Lampe zu warten – an Weitergehen im Dunkeln war nicht zu denken!

Es schien eine Ewigkeit zu dauern, dann aber kamen endlich Stimmen näher und schliesslich auch der helle Schein einer funktionierenden Lampe. Wir schlossen uns der kleinen Gruppe an und wurden durch die dritte Höhle sicher nach draussen gebracht.

Auf dem Rückweg zum Parkplatz mussten wir rund einen Kilometer durch den Dschungel laufen. Als aus der Tiefe des Waldes Kuhglockengeläut ertönte, ging die Fantasie mit Mario und mir durch: Wir stellten uns vor, dass wir uns zu Hause in der Schweiz befanden und zwar auf einer Bergwanderung. Bald würden wir in ein urchiges Bergrestaurant einkehren und uns dort eine Rösti mit Bratwurst und zum Dessert ein riesiges Meringue-Glacé bestellen. Uns lief das Wasser im Munde zusammen und bei den Fresständen am Rande des Parkplatzes trösteten wir uns mit einer Portion Phat Thai-Nudeln und Som Tam, einem scharfen Salat aus unreifer Papaya. 

Dann machten wir uns auf dem Weg nach Mae Hongson, welches wir gegen Abend erreichten. Schnell hatten wir ein kleines Guesthouse gefunden, wo wir erst einmal unter die Dusche standen, bevor wir uns das Städtchen ansahen. Wir waren nicht schlecht erstaunt, als wir ein Restaurant mit dem Namen „Swiss Châlet“ entdeckten. Natürlich gingen wir hinein, fanden Skihütten-Atmosphäre vor und lernten den Besitzer Beni Grütter aus Herzogenbuchsee, kennen. Er konnte es kaum glauben, dass wir von der Schweiz bis nach Mae Hongson gefahren waren – und wir konnten es kaum gauben, im tiefsten Norden Thailands auf einer Speisekarte heimatliche Gerichte zu finden. Natürlich blieben wir zum Nachtessen und bestellten uns – wer hat‘s erraten? – Rösti mit Bratwurst! Als Beni uns zum Nachttisch ein waschechtes Berner Meringue vorsetzte, schwebten wir im siebten Himmel und erlitten einen leichten Heimwehanfall!

  

Damit wir auch noch ein echtes Schweizer Zmorgen geniessen konnten, bevor wir uns wieder auf den Weg machten, öffnete Beni sein Châlet am nächsten Morgen extra früher. Wir stärkten uns mit einem frischen Bichermüesli und Mario konnte nicht genug kriegen von Benis importiertem Schweizer Kaffee.

Bevor wir weiterfuhren, zeichnete Beni uns den Weg in ein Dorf von „Longneck“-Karen auf. Wir hatten unsere Erfahrungen mit Besuchen bei Eingeborenen ja bereits gemacht – aber die „Langhälse“ wollten wir uns auch nicht entgehen lassen. Also folgten wir der staubigen Piste, welche uns tief in die Wälder führte. Allzuschwer war‘s nicht, denn bei jeder Abzweigung waren Schilder aufgehängt: „To Longneck-Village“ – wir ahnten übles…

Am Dorfeingang verlangte man Eintrittsgeld von uns und zwar happige 250 Baht (10 Franken). Wir überlegten uns zweimal, ob wir uns darauf einlassen wollten, aber wir sind auch nur neugierige Menschen und kommen vielleicht nie mehr in unserem Leben in diese Gegend, das heisst, wir zahlten…

Das Dorf präsentierte sich sauber aufgeräumt und die Damen mit den schweren Messingreifen um ihre Hälse sassen dekorativ und „picture perfect“ vor den Hütten. Freundlich winkten sie uns zu, forderten uns zum Fotografieren und Souveniers kaufen auf. Die schweren Messinghalskrausen, welche nicht aus einzelnen Ringen, sondern aus einem langen, spiralförmig gedrehten Draht bestehen, werden den Frauen bereits im Mädchenalter angelegt. Die schweren Ringe verlängern übrigens nicht den Hals, wie auch wir irrtümlich geglaubt haben. Durch das Gewicht werden vielmehr die Schlüsselbeine und Schultern nach unten gedrückt, so dass der Eindruck eines verlängerten Halses entsteht.

Eine Frau winkte mich zu sich und zu meinem Erstaunen sprach sie ziemlich gut englisch. Sie erzählte mir, dass viele Leute aus ihrem Dorf aus Burma geflohen sind, wo sie verfolgt wurden. Hier in Thailand seien sie vor ihren Häschern sicher und hätten dank dem Tourismus auch ein sicheres Auskommen. Ich fragte sie, ob sie ihren Halsschmuck zum Schlafen abziehe, aber sie verneinte und zeigte mir ein spezielles Kissen, auf welches sie in der Nacht ihren Kopf legt. Als ich wissen wollte, ob das Tragen der Reifen nicht weh tue, verzichtete sie auf eine Antwort und hob dafür mit zwei Fingern den unteren Rand der Ringe hoch. Die Haut darunter war grün und blau verfärbt und stellenweise dick vernarbt… 

Über den Ursprung dieses Brauches ist man sich offensichtlich uneinig, wir haben verschiedene Theorien gehört: Der Halsschmuck sollte den Nacken der Frauen vor dem Biss des Löwen schützen; die Männer kennzeichneten ihre Frauen auf diese Weise, damit sie nicht von anderen Stämmen gestohlen werden oder dass die langen Hälse ganz einfach dem Schönheitsideal der Karen entsprächen.

Ziemlich nachdenklich machten wir auf den Weg und fuhren weiter nach Süden. Über Nakhon Savan ging es langsam aber sicher in Richtung Bangkok. Der Verkehr wurde mit  jeder Stunde dichter, das Strassennetz immer unübersichtlicher. Wir blieben beharrlich auf der Strasse Nr. 1,  welche uns zuerst rasch, dann nur noch im Schrittempo ins Stadtzentrum brachte. Der Verkehr in Bangkok ist gewaltig und kann mühelos mit dem Chaos in den chinesischen Grosstädten mithalten. Es war zwar Sonntag, aber der Verkehr floss denoch nur zäh und begleitet von Hupkonzerten.

Da unsere Bremsen nun wirklich am A…. waren und Mario mit beiden Füssen fest aufs Pedal stehen musste, um überhaupt noch eine Reaktion zu erzielen, beschlossen wir, uns vorerst ein Hotel am Rande des Zentrums zu nehmen.

Am nächsten Tag war unsere erste Priorität, eine Autogarage zu finden, in der wir die Bremsen machen lassen konnten. Der Hotelportier war uns dabei behilflich und brachte uns zu einer Werkstatt um die Ecke. Natürlich verstanden sie dort nicht, was wir wollten und schüttelten energisch den Kopf. Also suchten wir weiter und landeten schliesslich im Geschäft eines Chinesen, der mit Autoersatzteilen handelte. Da er recht gut Englisch sprach, erklärten wir unser Anliegen. „Kein Problem – wo ist Euer Auto?“ meinte er. Zu dritt holten wir das Auto vom Hotelparkplatz und der Chinese dirigierte uns damit prompt zu der Garage, bei der wir vorhin angebrannt waren. Mit seiner Übersetzungshilfe gab plötzlich keine Probleme mehr und bevor wir uns versahen, hantierten ein paar thailändische Mechaniker an den Bremsen unseres Toyotas. Mario, als Fachmann von Natur aus misstrauisch, stand mit Argusaugen daneben und beobachtete jeden Handgriff der Thais.

Mitten auf der Strasse - die Werktstatt selber war vollgestopft mit Autowracks, Werkzeugen, Ersatzteilen und sonstigem Gerümpel – machten sich vier Thais (!), einer an jedem Rad, an die Arbeit. Mario erklärte in der Zwischenzweit unserem neuen chinesischen Freund, was sonst noch alles an unserem Auto ersetzt werden müsste. Darauf verschwand der Chinese und tauchte kurz darauf mit einem neuen Blinkerrelais und einer Gummischeibe für die Lenkung auf! Er bestand darauf uns die Teile zu schenken, wogegen auch auch kein Protest von unserer Seite half und so machte sich Mario erfreut ans einbauen. Die Thais hatten in der Zeit die Bremstrommeln ausgebaut und einen „Motorrad-Kurier“ bestellt, welcher die Bremsbacken zur Neubeschichtung in eine Spezial-Firma brachte. Zwei Stunden später kamen die neubeschichten Bremsbacken zurück, Mario überprüfte die Arbeit und die Thai-Mechaniker machten sich wieder ans Zusammensetzten. Nach rund sechsstündiger Arbeit bekamen wir die Rechnung präsentiert: 2000 Baht (80 Franken) – für diesen Betrag zieht bei uns ein Mechaniker nicht einmal eine Schraube an!

Tags darauf hatten wir Gelegenheit unsere neuen Bremsen mitten im Verkehrsgewühl von Bangkok auszuprobieren, wir mussten nämlich quer durch die ganze Stadt fahren, um uns nun endlich mit Ralph Schmitt zu treffen. Wir stellten das Auto auf den Parkplatz dem modernen Condominium ab, in welchem er ein Appartment hat. Ralph arbeitet seit fast 2 Jahren in Thailand und kennt dementsprechend alle Geheimtips in Bangkok! Wir verbrachten einen tollen Abend zusammen, assen sehr gut und wer Ralph kennt, weiss dass auch eine Menge Bier floss!

Als er uns versicherte, dass es kein Problem sei, unser Auto eine Weile auf dem Parkplatz vor seinem Condo stehen zu lassen, brachte uns das auf eine neue Idee. Es dauerte nämlich noch 10 Tage, bis Marios Eltern in Bangkok eintraffen und wir wollten diese Zeit nützten, um einbisschen auszuspannen und vor allem endlich einmal das Meer aus der Nähe zu sehen!

Wir buchten im Bangkoker Backpackerzentrum an Khao San Road eine Minibus-Fahrt, welche uns am übernächsten Tag in dreistündiger, halsbrecherischer Fahrt nach Bhan Pe brachte, dem Ausgangshafen für die Insel Ko Samet im Golf von Thailand. Vom Festland  fuhren wir mit einem umgebauten Fischerboot zur Insel, welche unter Naturschutz steht.

Da die Hauptreisesaison erst später los geht, herrschte noch ziemlich Ruhe auf der Insel und wir hatten keine Mühe eine schöne Unterkunft zu finden. Die nächsten sechs Tage spannten wir so richtig aus, legten uns an die Sonne, lasen, gingen im Meer baden und Schnorcheln, ausserdem achten eine (kleine) Insel-Erkundungstour zu Fuss. Die Abende verbrachten wir in den kleinen Restaurants am Strand, assen frisch grillierten Fisch und Meeresfrüchte. In vielen Bars und Kneipen wurden zudem Kinofilme ab VCD gezeigt und da wir auch in dieser Beziehung etwas Nachholbedarf hatten, brachten wir uns wieder auf den neusten Stand…

Mit dem Wetter hatten wir Glück, in den ersten Tagen war der Himmel noch ziemlich bedeckt gewesen, doch dann wurde es immer schöner. Der letzte Tag war der schönste (typisch…) und um mir noch den letzten Schliff Bräune zu holen, legte ich mich den ein paar Stunden in den Sand – was sich noch rächen sollten.

Wieder zurück in Bangkok nahmen wir uns ein Zimmer in einem etwas schmuddligen Guesthouse an der Khao San Road. Wir wollten noch einige Abklärungen treffen, Emails beantworten und einige Einkäufe erledigen, bevor Marios Eltern ankamen.

In der Nacht juckte es mich plötzlich am ganzen Körper und vor allem meine Beine waren über und über mit roten Pusteln übersäht. „Flöhe!“, dachte ich mir, doch komischerweise nur auf meiner Seite – Mario hatte nichts dergleichen, also konnte es nicht an der Matratze liegen. Es wurde immer schlimmer, ich rieb Salben und Puder ein, aber nichts half. Mittlerweile hatten sich unter den roten Pusteln noch blaue Flecken gebildet und das Kratzen verbesserte den optischen Effekt auch nicht unbedingt – Mario sagte, ich sehe aus wie eine „Aussätzige“ – Danke!

Später fand ich dann heraus, dass es sich um die Bisse von Sandflöhen gehandelt hat. Diese Biester legen anscheinend Eier unter die Haut, was dann in zwei, drei Tagen zu den roten Flecken und vor allem dem Jucken führt. Bis meine Beine einigermassen hergestellt waren, dauerte es aber fast zwei Wochen…

Am Abend vor der Ankunft von Marios Eltern nahm uns Ralph mit zu einem verspäteten Oktoberfest, welches „Bei Otto“ einem beliebten deutschen Restaurant in Bangkok stattfand. Es wurde ein richtiges Gelage mit Weisswürstel, Laugengebäck, Rindsbraten, Schweinshaxen und allem was dazu gehört - natürlich auch Weissbier und guten Wein. Ich musste wohl auch schon genung getrunken haben, denn anders lässt es sich nicht erklären, dass ich mich zur Teilnahme am Biertrink-Wettbewerb für Frauen meldete – und das obwohl ich überhaupt kein Bier mag!  Das Resultat ist sowieso eine Schande – ich habe gewonnen (dabei mag ich, wie schon gesagt, gar kein Bier...)

Ganz leicht verkatert standen wir am nächsten Morgen – es war Sonntag, der 14. November – am Flughafen. Gegen acht Uhr landete die Maschine aus Zürich mit Helga und Kurt an Bord. Es gab ein herzliches Wiedersehen in der Ankunftshalle – schiesslich hatten wir uns seit fast einem halben Jahr nicht mehr gesehen. In Zürich musste es schon ziemlich kalt sein, denn Helga und Kurt trugen bei ihrer Ankunft dicke Faserpelzjacken, die sie angesichts der thailändischen Temperaturen aber schnell auszogen. Mit einem Taxi fuhren wir ins Hotel Royal mitten im Stadtzentrum von Bankgkok. Während sich Helga und Kurt etwas frischmachten, begannen Mario und ich gleich damit, die diveres Mitbringsel auszupacken und die zahlreichen lieben Briefe zu lesen.

Trotz des langen Fluges waren Marios Eltern nicht müde und so fuhren wir mit den beiden zum Chatuchak, dem riesengrossen Sonntagsmarkt in Bangkok. Die beiden Flohmarktfans stöberten in den angebotenen Waren herum und liessen die ersten Eindrücke, Farben und Gerüche Thailands auf sich einwirken.

In den folgenden drei Tagen machten wir klassisches „Bangkok-Sightseeing“, besuchten den Königspalast, den liegenden Buddha, spazierten durch Chinatown und machten eine Flussfahrt durch die Klongs. Wir speisten ganz gediegen im berühmten Oriental Hotel und stöberten über den Nachtmark in Patpong.

In unserem Toyota, Helga und Kurt auf die unbequemen Rücksitze gepfercht, machten wir uns auf in Richtung Süden. Unterwegs besuchten wir eine Krokodilfarm und übernachteten einmal in Si Racha. Nach  wenigen Fahrstunden hatten wir bald Pattaya erreicht, wo ein Jugendfreund von Helga eine wunderschöne Ferienanlage gebaut hat. 10 Tage blieben wir in „Little Hill“ bei Hansruedi Frei und seiner Frau Tikki und verbrachten die Tage mit Sonnenbaden am Pool. Für Mario und mich war es das erste Mal auf unserer Reise, dass wir so lange an einem Ort blieben und so hatten wir Zeit, um divese Sachen zu erledigen. Wir putzen unser Auto und räumten um, aus und auf. Mario nahm einige kleine Wartungsarbeiten vor, während ich ein paar längst fällige Artikel zu Ende schrieb. Daneben assen wir gut und viel zu viel.  Der Küchenchef im „Little Hill Resort“ ist ein Schweizer und so standen natürlich auch viele Schweizer Spezialitäten auf der Speisekarte

Ab und zu machten wir einen Abstecher nach Pattaya und einmal einen Tagesausflug in einen nahe gelegenen Garten, wo wir uns verschiedene Kulturshows sowie eine Elefantenvorführung ansahen.

Um noch ein Stücken „echtes“ Thailand zusehen fuhren wir für einige Tage auf die nahegelegene Insel Koh Chang, die Elefanteninsel. Die dicht mit Dschungel bewachsene Insel ist ebenfalls Naturschutzgebiet, bot aber leider nicht die schönsten Strände. Die meiste Zeit verbrachten wir auf einem schmalen Streifen Sand zwischen dem Wasser und den oft bis ans Wasser reichenden Bäumen. Helga und Kurt gingen viel spazieren, Mario las viel und ich setzte mich einmal einem Tag ab um tauchen zu gehen. Es war ein tolles Gefühl, endlich wieder einmal unter Wasser zu kommen, aber anscheinden zählt Koh Chang auch nicht zu den besten Tauchgebieten und der Ausflug war nicht so toll.

Über Pattaya, wo wir unser Auto holten und nochmals eine Nacht verbrachten, ging es wieder zurück nach Bangkok. Nach einem Tagesausflug zu den Ruinen von Ayuttaya und einigen letzten Souvenier-Einkäufen gingen Helga und Kurts Ferien mit uns zu Ende. Wir brachten sie zum Flughafen, verabschiedeten uns und sahen dem Flugzeug nach, bis es in den Wolken verschwunden war.

Mario und mich hielt danach  nichts mehr in Bangkok. Wir brachen am nächsten Tag sogleich in Richtung Phuket auf. Nach je einer Nacht in Hua Hin und im wunderschönen Nationalpark Leam Son, trafen wir am 9. Dezember 1999, dem 210. Tag unserer Reise, nach 28'764 Kilometern und einem Benzinverbrauch von bisher 5638 Litern, auf Phuket ein.

Die beliebte Ferieninsel in der Andaman See, auf der ich der Saison 1994/95 einmal knapp drei Monate als Divemaster gearbeitet hatte, war eine Art Zwischenetappe für uns. Wir wollten einige Wochen auf der Insel bleiben, alte Zeiten aufleben lassen, ein einbisschen Ausspannen (..schon wieder..) und vor allem Tauchen gehen!

Wir überquerten die Brücke die Phuket mit dem Festland verbindet und fuhren auf einer neuen, vierspurigen Strasse nach Phuket Town, von dort weiter über Chalong  (von wo ich mich endlich wieder auskannte!) nach Kata und Karon.

Dort suchten wir eine eine Unterkunft, was sich als gar nicht so einfach war, denn das Preisniveau in Phuket erwies sich im Vergleich mit dem restlichen Thailand als unverschämt hoch. Für ein Zimmer in einem einfachen, aber sauberen Guesthous, in denen wir sonst zwischen 100  Baht (im Norden)  und 300 Baht (auf Ko Samet) bezahlt hatten, werden in Kata und Karon schon mal 500 bis 700 Baht verlangt.

Der Zufall wollte es, dass Ralph aus Bangkok zur Zeit auch ein paar Tage Ferien in Phuket machte und so mieteten wir uns der Einfachheit halber im selben Hotel in Karon ein.

Mit Ralph und einigen seiner Freunde gingen wir am übernächsten Tag Hochseefischen. Das Hochseefischen wir ziemlich langweilig, weil der erste Fisch (ein kliztekleiner Tuna) erst am  Nachmittag anbiss, aber dafür lernten wir Bigi und Edi kennen, zwei Deutsche mit denen wir danach noch viel Zeit verbrachten. Zum Glück hatte einer der Jungs gegen Abend doch noch einen etwas grösseren Fisch an der Angel, so dass es zu einem guten Nachtessen reichte!

In den nächsten Tagen liessen wir unseren Landcruiser vor dem Hotel stehen und mieteten uns wie alle guten Touristen eine Honda Dream, das ultimative Fortbewegungsmittel auf Phuket. Damit kurvten wir um die Insel und ich musste feststellen, dass sie sich in den letzten fünf Jahren ganz schön verändert hat und noch immer noch an allen Ecken und Ende gebaut wird.

Wir gingen mit Bigi und Edi essen oder hängten mit ihnem bei Dieter im „Society“ herum und spielten Billiard. Ich freute mich aussserdem, ein paar „alte Bekannte“ wiederzusehen. Zum Beispiel war Dani Leemann, mit dem ich vor fünf Jahren zusammen gearbeitet hatte, auch wieder für eine Saison in Phuket oder Marco Schmid, ein weiterer ehemaliger „Kollege“, der nun mit einem Partner in Kata eine eigene Tauchschule namens „Nautilus Divers“ aufgemacht hat.

Bei Nautilus buchten wir für Mario, der noch nie getaucht hat, einen Open Water-Kurs. Während er den ersten Kurstag im trüben Wasser am Katabeach mit Uebungen wie Maske ausblasen und Wechselatmung verbrachte, machte ich vom Tauchboot MV Greta ein paar „richtige“ Tauchgänge. Der erste führte zum Wrack des Fährbootes „Kings Cruiser“, welches vor einiger Zeit vor Phuket gesunken ist (oder gesunken worden ist, dass weiss man offensichtlich nicht so genau und Gerüchte gibts genug…) und nun einen tollen Tauchplatz abgibt. Gemeinsam mit meinem Tauchpartner, einem dänischen Tauchlehrer, drang ich tief ins Wrack ein, schwamm zur ehemaligen Brücke und durch den Passagierraum. Auf einer Tiefe von 25 Metern gibt es nicht mehr viel Licht und  die Atmosphäre in dem toten Schiffskörper war gespenstisch-schön. Schwärme von kleinen und grösseren Fischen hingen um das Wrack, dass schon recht dicht bewachsen ist. Die weiteren Tauchgänge führten uns an den Shark Point und zum grossen Felsen Koh Doc Mai, beides schöne Tauchplätze, die ich von früher noch gut kannte.

Mario wurde unterdessen von seinem Tauchlehrer, einem Basler, in die Geheimnisse der Unterwasserwelt eingeführt und berichtete begeistert von seinem Kurs. Ich begleitete Mario auf seinen ersten Freiwassertauchgängen vom Longtailboot aus. Es freute mich, dass er sich so geschickt anstellte und ich ein paar Tage später einen frischgebackenen Tauchpartner hatte.

Unterdessen hatte ich auch Kontakt aufgenommen mit Ralph Kugler von der Redaktion von „phuket info“, deren Adresse wir liebenswürdigerweise als „Postfach“ benutzten durften. Ich bedankte  mich bei ihm und wollte einem Termin vereinbaren, um unsere Post in Phuket Town abzuholen. Es kam aber viel besser: Die Post wurde uns nach Karon gebracht und zwar von Uwe Geyer, einem ehemaligen Kampfpiloten, der nun als Fotograf für „phuket info“ arbeitet. Uwe ist ein echtes Unikum und seine Geschichte hörte sich viel besser an als unsere, aber er wollte die „Story“ unserer Fahrt von Zürich nach Phuket für sein Magazin „verbraten“ und uns so verabredeten wir uns nach einem Drink für den folgenden Tag zum „Fototermin“.

Wir wischten dann also den Staub von unseren Landcruiser und fuhren mit Uwe auf der Insel herum, zuerst zum „View Point“,wo der Fotograf seines Amtes waltete, später frühstückten wir an einem kleinen Strand.

Am Abend lernten wir Uwes Frau Sylvia kennen, eine Wienerin, welche in Patong die Bungalow-Anlage „Sylvias Happy Home“ betreibt – eine wunderschöne Ferienanlage, aber leider nicht ganz in unsere Preisklasse. Mit Sylvia und Uwe verstanden wir uns toll – die beiden hatten sich über Internet „kennengelernt“ und Uwe hatte ihr einen Heiratsantrag gemacht, ohne sie vorher je getroffen zu haben! In ihrem Zuhause krabbelten diverse „Miezbäuche“ (= Katzen) herrum und ich war seelig endlich wieder einmal ein Katzenfell kraulen zu können. Irgenwann riss man mich gewaltsam von den Mietzen weg, damit wir essen gehen konnten. Im Thai-Fahrstil kurvte uns Sylvia durchs Gewühl von Patong und liess nicht locker, bis sie endlich einen Parkplatz vor dem „Schlawiner“, einem österreichischen Restaurant, ergattert hatte.

Während wir gute österreichische Hausmannskost genossen, erzählten wir den beiden, dass wir auf einen mehrtägigen Tauchtrip zu den Similan-Inseln fahren wollten, aber uns noch für keinen der zahlreichen Anbieter entschieden hatten (Kostenfrage!). Darauf kam Leben ins Lokal und wir durften erfahren, was für ein Dorf Phuket ist! Sylvia machte ein paar Anrufe übers Mobiltelefon, die aber offensichtlich den gewünschten Erfolg nicht brachten. Dann erzählte sie Peter, dem Restaurantbesitzer, von unserem Wunsch. Der kannte einen Tauchlehrer, dessen Tauchshop Similan-Trips anbietet. Marios Kaiserschmarren stand noch nicht auf dem Tisch, als sich oben erwähnter Tauchlehrer mit einem Stapel Papieren zu uns setzte. Er kramte seinen Taschenrechner hervor, machte ein paar Kalkulationen und nannte uns einen Preis, dem wir nicht wiederstehen konnten.

Wir beschlossen, uns diese Reise zu Weihnachten zu schenken und befanden uns keine zwei Tage später in aller Hergottsfrühe am Hafen von Tablah Moo. Von dort brachte uns ein „Zubringerboot“ auf die MV Scuba Cat brachte, welche gemütlich in den Gewässern um Similan herumtuckerte. Das Boot war für die nächsten drei Tage unser Zuhause (unser Zuhause auf Rädern durften wir in der Zwischenzeit bei Sylvia und Uwe stehen lassen). In dieser Zeit machten wir eigentlich nur drei Dinge: Tauchen, essen und schlafen – alle drei Dinge im Uebermass…

11 Tauchgänge standen auf dem Programm – und wir liessen keinen Ausfallen! Mario, inzwischen auch vom Tauchvirus befallen, nutzte die Gelegenheit um auf dem Boot gleich noch den Advanced-Kurs zu machen, was bedeutete, dass er in der kargen „Freizeit“ zwischen den Tauchgängen auch noch Theorie büffeln musste!

Wir waren hundemüde, aber glücklich und zufrieden, als wir am 22. Dezember wieder nach Phuket zurückkehrten. Wir verbrachten eine Nacht in unserem Auto auf dem Parkplatz von Sylvia und Uwe und machten uns dann daran, in Kata Noi eine günstigere Unterkunft zu suchen. Weihnachten stand ja vor der Tür und wir wollten die Festtage nicht irgendwo alleine, sondern hier mit unseren neuen und alten Freunden und Bekannten verbringen. Weihnachtliche Gefühle kamen bei Tagestemperaturen von weit über 30 Grad zwar keine auf, aber das heilige Datum gab uns eine gute Entschuldigung, um zweimal gut essen zu gehen. Am Heiligabend assen wir wieder österreichische Spezialitäten  im „Schlawiner“ und am Abend des 25. Dezember leisteten wir uns in einem Thai-Restaurant ein feines Seafood-Dinner, anschliessend „feierten“ wir mit Bigi, Edi in Dieters Bar „Societz“ weiter.

Eigentlich wollten wir nach Weihnachten weiterfahren, aber wir hatten uns dermassen ans gemütliche Inselleben gewöhnt, dass wir diverse Entschuldigungen und Gründe fanden, um auch noch den Rutsch ins neue Millenium auf Phuket zu feiern.  Mario und ich hatten ausserdem beide eine ziemlich starke Erklältung und wir waren froh, um ein paar Tage Ruhe.

Zusammen mit Bigi, Edi, seiner Schwester Edith und ihrem Freund Ekkehard, Sascha von der Tauchschule Aquarius und ein paar anderen Leuten organisierten wir für Sylvester eine „Beachparty“.  An dem ausgewählten Strand gab es ein kleines Thai-Restaurant, welches normalerweise nur am Tag geöffnet ist, für unsere Gruppe aber an diesem Abend extra geöffet blieb. Wir bestellten kreuz und quer durch die Speisekarte: Thai-Currys, Muscheln, Nudeln, Hühnchen mit Cashew-Nüssen, Sweet and Sour usw. usw. und genossen das Essen, bevor es später wurde und wir ausschliesslich zum „Flüssigen“ übergingen.

Mario, den die Erklältung nun voll erwischt hatte, hing mit Fieber und Hustenkrämpfen mehr tot als lebendig auf seinem Sessel und genoss die kleine Feier nicht besonders. Er hielt aber tapfer durch, bis es endlich Mitternacht schlug und wir mit Champagner-Fusel auf das neue Jahrtausend anstiessen. Wir feuerten ein paar müde Raketen in den sternenklaren Himmel und schauten dann den viel prächtigeren Feuerwerken auf dem Meer zu, welche von verschiedenen Schiffen abgefeuert wurden. Wir hatten unser Auto am Strand parkiert und Mario verkrümmelte sich schon bald darauf hustend ins Bett.

Wir leerten noch die angebrochenen Flaschen, dann machten uns dann ans aufräumen und während die anderen langsam aufbrachen, legte ich mich zu Mario ins Bett. Der Schlaf dauerte nicht lange, da wir unseren Wecker auf sechs Uhr früh gestellt hatten, um unseren Eltern rechtzeitig ein gutes Neuesjahr wünschen zu können. Wir blieben aber im Bett, bis uns die Hitze endgültig aus dem Auto vertrieb und trafen wir dann uns mit Bigi und Edi bei „Don“ zu einem letzten Frühstück.

Einer unserer guten Vorsätze fürs neue Jahr lautete endlich weiterzufahren und uns von Phuket und Thailand loszureisen – fast drei Monate hatten wir in diesem Land verbracht, gefaulenzt, die Strände und das gute Essen genosssen, aber nun zog es uns wirklich weiter.

Also sagten wir Bigi und Edi gleich nach dem Kater-Frühstück „Lebewohl“, starteten den „Troopi“ und sahen zu, wie die beiden im Rückspiegel immer kleiner wurden.

Wir freuten uns, endlich wieder auf der Strasse zu sein und kamen zügig vorwärts. Am Nachmittag erreichten wir Krabi, wo wir eigentlich noch ein, zwei Tage bleiben wollte. Der Ferienort erwies sich aber als total überlaufen und wir fanden nur mit Mühe ein freies Zimmer für die Nacht. Und so fuhren wir am nächsten Tag weiter, der malayischen Grenze entgegen.

Unseren letzten Abend in Thailand übernachteten wir in Ban Pak Bara, einem Fischerdorf an der Westküste. Am nächsten Morgen ging es früh weiter, weil wir nicht zu spät an die malaysische Grenze kommen wollten. Es war gar nicht so einfach den kleinen Zollposten zu finden und wir fuhren zweimal an der richtigen Abzweigung vorbei, ehe uns ein freundlicher Polizist den Weg wies. In weniger als einer Viertelstunde wurden wir „abgefertig“ und verliessen das Königreich in Richtung Malaysia.

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