Laos

  Wieder in Freiheit, Landminen, lächelnde Gesichter und gewaltige Steintöpfe

 146. Reisetag, 6.Oktober: Ein Holzhaus, ein hochgezogener, rot-weisser Schlagbaum, ein handgemaltes Stop-Schild und ein paar verdutzte Beamte erwarteten uns am laotischen Grenzübergang. Weit und breit waren wir die einzigen Grenzgänger. Mario stelle den Motor ab und wir gingen in den schiefen Holzschuppen. Der Mann hinter der verschmierten Glasscheibe lächelte uns freundlich an und schob uns die Einreiseformulare zu – wir schoben unsere Pässe und den Begleitbrief des netten laotischen Konsuls aus Kunming in die entgegengesetzte Richtung. Beim Ausfüllen der „Arrival Card“ strichen wir bei „Transportmittel“ Bus und Flugzeug durch und schrieben „Car“ hin. Keine Reaktion, keine Fragen. Dafür erhielten wir einen weiteren Stempel in den Pass und ein nettes „Saabei dii“ auf den Weg.

Dies hatte keine fünf Minuten gedauert und nachdem wir bisher immer Stunden oder Tage an den Grenzen verbrachen, konnten wir es kaum glauben. Zögernd setzten wir und wieder ins Auto – für welches wir weder Fahreugausweis noch Zolldokumente zeigen mussten. Mario gab vorsichtig Gas und rollte unter dem Schlagbau durch. Da ertönte plötzlich der schrille Ton einer Trillerpfeife. Ein Beamter kam aus dem Zollhäuschen gestürzt und fuchtelte wild mit den Armen. Halt! Stop! Zerknirscht hielten wir an: Es wäre ja zu schön gewesen...

Der Beamte wies uns an, die wenigen gefahrenen Meter wieder zurückzurollen, bis vor den Schlagbaum. Dann musste ich aus dem Auto steigen. Mario durfte wieder vorfahren, während ich die zehn Meter unter dem Schlagbaum hindurch zu Fuss zurücklegen musste. Mit einer Handbewegung zeigte mir der Beamte, dass ich nun wieder einsteigen und wir unsere Reise fortsetzten könne... Wie bitte – was war das denn? Verdutzt sahen wir uns an: Wir hatten schon das Schlimmste befürchtet oder mindestens eine gründliche Autodurchsuchung – und nun so etwas! Wir werden wohl nie erfahren, weshalb ich die paar Meter über die Grenze zu Fuss gehen musste –  aber das war uns auch egal, hauptsache man liess uns ziehen!

Als der Grenzübergang langsam hinter unserem Rücken verschwand, durchströmte uns ein warmes Glücksgefühl. Nach den 8 Wochen in China fühlten wir uns endlich wieder frei, hatten das Auto wieder für uns alleine, durften hin fahren wo wir wollen und mussten uns an keine Routen- und Zeitpläne mehr halten! Die Strasse unmittelbar nach der Grenze ist in einem katastrophalen Zustand, wir wurden hin und her geschüttelt und unser Landcuriser ächzte und stöhnt beim Durchfahren der Schlaglöcher. Aber das änderte nicht an unserer Hochstimmung! Wir drehten die Musik laut auf und wackelten fröhlich durch die sattgrüne Landschaft. Bald schon kamen wir an den ersten Dörfern vorbei. Das Leben schien sich vorwiegend dort unter den hochbeinigen Holzhäusern abzuspielen: Nackte Kinder, Schweine, Hunde, webende Grossmütter, stillende Mütter und rauchende Väter sassen bunt durcheinander im Schatten. Als wir mit unserem ungewöhnlichen Gefährt vorbeifuhren, winkten sie uns freundlich zu. Zum ersten Mal seit langem sahen wir wieder fröhliche, lächelnde Gesichter.

erste Dörfer in Laos Lachen ist Lebensfreude

An diesem Tag schafften wir es noch bis nach Muang Xai, der ersten grösseren Stadt auf laotischer Seite. Auch wenn wir gerne wieder einmal in unserem Auto geschlafen hätten, mussten wir bald einsehen, dass dies vorerst kaum möglich sein wird. Links und rechts der Strasse lagen entweder bestellte Felder oder so dichter Dschungel, das es nicht möglich war einen Schlafplatz zu finden. Ausserdem hatten wir grossen Respekt vor den Landminen, welche noch immer tonnenweise in Laos herumliegen: Ein Andenken an den Vietnamkrieg!

Unterkunft zu finden erwies sich aber als sehr einfach: In Muang Xai hatten wir gleich mehrere Hotels und Guesthouses zur Auswahl und nahmen für wenige Franken ein Zimmer. Dann duschten wir, gingen was essen und suchten eine Bank, um einen Travellerscheck in laotische Kip einzutauschen. Wir erhielten für die 100 Dollar einen ganzen Berg von Kip-Scheinen, den wir unmöglich einstecken konnten, also füllten wir das Geld in eine Plastiktüte. Der grösste Schein laotischer Währung ist die 10‘000 Kip-Note, welche einen Wert von 1.60 Franken hat. Am gebräuchlichsten sind aber die 1000er (16 Rappen) und die 5000 Noten (80 Rappen), die wir fortan in dicken Bündeln herum schleppten und uns dabei fühlten wie Dagobert Duck.

Den Geldspeicher mussten wir aber nicht knacken, denn zum Glück ist das Leben (für Touristen) in Laos nicht teuer: Ein gutes Mittagessen zu zweit kostete um die 15'000 Kip (ca. 2.40 Franken), für einen grossen Bund Bananen oder eine Flasche Trinkwasser bezahlten wir 1000 Kip (16 Rappen), für ein sauberes Zimmer mit Gemeinschaftstoilette 10'000 Kip (1.60 Franken) und für eine Tankfüllung (50 Liter) mussten wir 116‘000 Kip (ca. 19 Franken) hinblättern.

An unserem zweiten Tag in Laos fuhren wir von Muang Xai in die alte Königsstadt Luang Prabang. Die ersten 90 Kilometer waren ziemlich beschwerlich weil auch diese Strasse – respektive was davon übrig war – in sehr schlechtem Zustand war. Einmal sahen wir einen umgekippten Lastwagen, dem die Strasse regelrecht unter den Rädern weggebrochen war. Die Situation besserte sich aber schlagartig, als wir die Route Coloniale (Strasse Nummer 13) erreichten, ein koloniales Überbleibsel der Franzosen. Unser Auto hatte unterwegs schon genug gelitten und war froh um die Strasse mit dem schönen, glatten Belag. Unsere Dankbarkeit gegenüber der ehemaligen Kolonialmacht verstärkte sich noch, als wir in Luang Prabang auf weitere Annehmlichkeiten der Franzosen stiessen: Rotwein und Baguette!

Muang Xai, Königsstadt beschwerlicher Weg

In einem kleinen Haus im Kolonialstil, ganz in der Nähe des Marktes, fanden wir ein Zimmer und einen Parkplatz für unser Auto. Kurz darauf sassen wir auch schon bei einem Bier am Ufer des Mekongs und sahen die Sonne hinter hohen Palmen verschwinden. Nach dem Ärger in China fühlten wir uns zum ersten Mal seit langem wieder „wie in den Ferien“.

Die nächsten Tage widmeten wir der Besichtigung von Luang Prabang. Es gibt über 30 schöne, alte Tempelanlagen in dieser Stadt – aber wir schafften natürlich längst nicht alle! Dafür nahmen wir uns Zeit, um die orange gekleideten Mönche beim Beten zu beobachten. Wir badeten wir am Fusse eines azurblauen Wasserfalls, tuckerten im Longtail-Boot über den Mekong, besuchten die heiligen Grotten in Pak Ou und ein Dorf von Schnapsbrennern. Ausserdem gab es in Luang Prabang ein überraschendes Wiedersehen mit John „Pluto“ Hyland, dem kanadischen Biker, der mit uns einen Tag an der russisch-mongolischen Grenze gewartet hatte. John war es in China nicht besser ergangen als uns - im Gegenteil: Als er ohne Bewilligungen an der chinesischen Grenze in Erenhot stand, wurde sein Motorrad kurzerhand beschlagnahmt. Während er nun darauf wartete, dass die chinesischen Behörden sein Fahrzeug freigaben und er es nach Bangkok verschiffen konnte, war er für einige Tage nach Laos geflüchtet. Wir feierten unser Wiedersehen bei einem indischen Abendessen und am nächsten Tag bekam ich von „Pluto“, der in den Staaten ein bekannter Tattoo-Artist ist, einen wunderschönen Delphin über den rechten Fussknöchel tätowiert.

heilige Grotten Tatooartist am arbeiten

Während er noch eine Weile in Luang Prabang blieb, um weitere Traveller zu verzieren, fuhren Mario und ich weiter. Unser Ziel war die Ebene der geheimnisvollen Steinkrüge in der Provinz Phonesavan, nahe der vietnamesischen Grenze. Man hatte uns gewarnt, dass die Strasse dahin sehr schlecht sei und es in diesem bewaldeten, hügeligen Gebiet auch heute noch vereinzelt zu Überfällen durch Hmong-Guerillias kommt. Wir wollten uns aber selber ein Bild von der Lage machen und rollten auf der Route Coloniale erst einmal gemütlich gegen Süden. Als die erwartete Abzweigung kam, bogen wir ab auf die Strasse Nummer 7, Richtung Osten. Asphalt gab es hier keinen mehr und

Strasse Nummer 7

 der Strassenbelag bestand nur noch aus festgefahrener, roter Erde. Wir kamen durch mehrere kleine Dörfer, die Leute starrten uns nach, die Strasse wurde immer schlechter. Es ging nur langsam vorwärts, denn zu allem Übel hatte es auch noch geregnet, so dass der Landcruiser auf der nun rutschigen Oberfläche immer öfter schlingerte. Weit und breit war kein anderes Fahrzeug zu sehen. Die Stimmung zwischen Mario und mir wurde immer gereizter. Während er sich über die Herausforderung seiner Fahrkünste freute, gingen mir die Warnungen nicht aus dem Kopf. Als unser Auto dann auch noch eine Bergflanke hinunter schlitterte, ohne dass die Bremsen anschlugen und wir um ein Haar geradeaus in den Abgrund gefahren wären, reichte es mir und ich wollte umkehren. Auch Mario sah ein, dass es kein sicheres Durchkommen gab. Zumal über unseren Köpfen schon wieder dicke, schwarze Regenwolken hingen, welche nur darauf warten, die Strasse vollends in ein Schlammbad zu verwandeln.

Wir kämpften uns zurück auf die „Coloniale“ und fuhren über Kasi nach VangVieng, einem kleinen Ort, der malerisch in mitten eines Karstgebierges liegt. Überrascht mussten wir feststellen, dass es hier viele Backpacker gab und fanden auch schnell heraus wieso: In dieser Gegend liess sich sehr viel unternehmen und die meisten Traveller waren gekommen, um die vielen Höhlen im Kalkstein zu erkunden, zu wandern oder mit aufgeblasenen Reifenschläuchen auf einem der Flüsse durch die schöne Landschaft zu treiben.

Wo viele Leute sind, gibt es auch viele Unterkünfte und wir hatten deshalb keine Mühe ein günstiges Zimmer in einem der Gasthäuser zu finden. Allerdings hatten wir diesmal nicht so Glück: Im Zimmer war es stickig heiss, allerlei Insekten krabbelten übers Bett und die Laken waren seit Wochen nicht mehr gewechselt worden. Als sich dann gegen drei Uhr morgens sämtliche Hähne der Umgebung ein Wettkrähen lieferten, war es dann um unsere Nachtruhe definitiv geschehen. Ziemlich unausgeschlafen zogen wir am nächsten Morgen weiter. Tagesziel war die laotische Hauptstadt Vientiane, welche wir am Nachmittag erreichten. Nachdem uns das friedliche, stimmungsvolle Luang Prabang sehr gut gefallen hatten, waren wir von Vientiane ein bisschen enttäuscht. Die Stadt zeigte sich in Staub gehüllt, lang auseinandergezogen, ohne richtiges Zentrum, dafür mit überraschend viel Verkehr. In einem verträumten, mit vielen Pflanzen bewachsenen Hinterhof fanden wir ein sehr schönes Guesthouse. Es war zwar etwas teurer, dafür war unser Zimmer gross, sauber, hatte warmes Wasser und vor allem elektrischen Strom, den ich brauchte, weil ich hier einen angefangenen Artikel zu Ende schreiben wollte.

Wir liessen uns also häuslich nieder und Mario nutzte die Zeit, in der ich am Schreiben war, um die Bremsen nachzustellen und einige weitere Dinge am Auto zu kontrollieren. Dazwischen sahen wir uns Vientiane an, machten Fotos mit unserem Auto vor dem laotischen Wahrzeichen That Luang, gaben der englischsprachigen Vientiane Times ein Interview, sahen uns nochmals einige Tempel an und machten die Runde in den ausgezeichneten Restaurants der Hauptstadt.

laotische Hauptstadt Vientiane Flug nach Phonesavan

Am vierten Tag bestiegen wir ein Flugzeug und flogen nach Phonesavan. Auch wenn wir mit dem Auto nicht durchkamen: Die „Plain of Jars“ wollten wir uns nicht entgehen lassen! Die kleine, zweimotorige Maschine flog nur knapp über Boden, rumpelte und schüttelte, dass mir Angst und Bange wurde. Vertrauenserweckend zog dichter Rauch durch die Sitzreihen...

Vom Flugzeug waren deutlich die Krater und Einschlaglöcher zu sehen, welche die amerikanischen Bomben in den siebziger Jahren in der Landschaft hinterlassen hatten. 30 Millionen Tonnen Bomben – das sind rund 10 Tonnen pro Einwohner! – warfen die Amerikaner über dem kleinen Land ab, mit dem sie sich nicht einmal offiziell im Kriegszustand befanden. Als Grund genügte offenbar, das Laos kommunistisch und ein Nachbar von Vietnam war. Die Folgen sind verheerend: Noch heute sind viele Landstriche minenverseucht und jedes Jahr fallen Dutzende von Menschen, zum grössten Teil Bauern bei der Feldarbeit oder spielende Kinder, explodierenden Minen zum Opfer. Allerdings ist heute jede namhafte internationale Organisationen in irgendeiner Form mit „Wiedergutmachung“ in Laos beschäftigt. Nachdem das Land fast ausgeblutet wurde, ist es zum „Lieblingssorgenkind“ der westlichen Welt avanciert. Finanzielle Unterstützung fliesst reichlich, praktisch jedes grössere Projekt in Laos wird von ausländischen Investoren getragen und in den guten Restaurants von Vientiane geben sich die vielen Anti-Minenexperten, Entwicklungshelfer und sonstigen Spezialisten die Klinke in die Hand.

Die Laoten selber schauen dem emsigen Treiben mit einem Lächeln zu und viele legen dabei die Beine hoch. Die Vergangenheit scheinen sie vergessen oder verdrängt zu haben. Ein älterer Mann, der bei einem amerikanischen Bombenangriff seinen Vater und einen seiner Brüder verlor, sagte zu uns: „Man darf nicht zurückschauen, das Leben geht weiter und was zählt ist die Zukunft.“ Den Amerikanern gegenüber hegt er, wie die meisten seiner Landsleute, keinen Zorn. Für die Jugend in Laos ist der „American way of life“ sogar zum Ideal geworden. Vong, der junge Laote, der uns am Flughafen von Phonesavan anquatschte, trug in bester Hiphop-Manier ein weites Nike-Sweatshirt, zu grosse Jeans und offenstehende Turnschuhe. Er wich nicht mehr von unserer Seite und offerierte uns ziemlich aufdringlich seine Dienste als Fremdenführer. Aber er war uns trotzdem sympathisch und da er nicht allzu viele Dollars verlangte, „engagierten“ wir ihn. Sein Jeep war „leider gerade in Reparatur“, so dass er einen Pik-up anhielt, der uns zu einem Guesthouse brachte. Dort kassierte Vang ein Provision, bevor er sich aufmachte, um ein anderes Fahrzeug aufzutreiben. Schliesslich wollten wir noch heute die erste Fundstelle mit den geheimnisvollen Steintöpfen sehen. Kurze Zeit später kam er wieder, im Schlepptau ein klappriges Auto und einen „Fahrer“. Das weisse Vehikel, ein russischer Wolga, hatte schon bessere Tage gesehen, die Stossdämpfer waren aber noch in Ordnung und so hüpften wir sanft schaukelnd über die Feldwege. Vong, der sehr gut englisch sprach, erzählte ununterbrochen Geschichten und Fabeln, welche angeblich von seinem Grossvater stammen. Wir lachten viel und lernten einiges über sein Land.

Mitten in der Geschichte vom König und dem Frosch, tauchten vor uns die erste Ebene mit Krügen auf. Im hohen Gras, einzeln oder in kleinen Gruppen, standen oder lagen an Hunderte dieser mysteriösen, zwischen einem und zwei Meter grossen Steinkrüge. Noch heute weiss kein Mensch, welchem Zweck die mehr als 2000 Jahre alten Gefässe gedient haben. Es gibt eine Theorie, die sagt, dass es sich dabei um Grabstätten handelt, eine andere behauptet, dass der damalige König in den riesigen Töpfen den Wein für seine Siegesfeiern gären liess. Der Stein, aus dem die Krüge gemeisselt sind, stammt aus einer völlig anderen Gegend und keiner kann sich erklären, wie vor zwei Jahrtausenden die Felsblöcke über diese weite Strecke transportiert werden konnten. Eines der letzten Geheimnisse der Menschheit? Wir waren auf alle Fälle faszinierte, wir „verschossen“ einen ganzen Film und freuten uns darauf, dass Vong uns morgen noch mehrere Fundstellen zeigen würde.

Wir verabredeten uns für acht Uhr am nächsten Morgen – und staunten nicht schlecht, als er zusammen mit dem Fahrer und dem Wolga fünf Minuten vor der Zeit aufkreuzte. Diesmal dauerte die Fahrt etwas länger und führte vorbei an Bombenkrater, in die man leicht ein mittelgrosses Haus hätte stellen können, an ausgebrannten Panzern und Viehzäunen, die aus aneinandergereihten Bombenhülsen bestanden. Wir durchquerten kleine Dörfer, wo Kinder und Hühner schreiend und gackernd davon stoben, weil unser Fahrer nicht einmal auf die Bremsen trat. Bald erreichten wir zwei gegenüber liegende Hügel, auf denen verteilt sich ungefähr 150 weitere Krüge befanden – mitten in der Natur, nicht abgeriegelt und frei zugänglich. Ein altes, halb verdorrtes Männchen sass Wache auf einem Stein und knöpfte uns 2000 Kip  (32 Rappen) „Eintrittsgeld“ ab. Wir inspizierten die dunklen, mit Flechten bewachsenen Gefässe genau und natürlich wusste Vong wieder einige Geschichte zu erzählen.

Diese gab er auch zum besten, als wir eine weitere, etwas abgelegene Fundstelle aufsuchten und dafür fast eine Stunde durch Reisfelder und über Weiden wanderten. Weil in dieser Provinz noch sehr viele Landminen liegen, war uns etwas mulmig und wir sahen sehr genau auf den Boden! Vong wollte uns einen besonderen Krug zeigen, einen der mit Buddha-Figuren „gefüllt“ war. Tatsächlich fanden wir das umgestossene Gefäss, in dessen Innern Hunderte von identischen, zirka zehn Zentimetern grossen Figuren kreuz und quer durcheinander lagen. Die Stelle wirkte sehr spirituell, sehr geheimnisvoll...

Krug gefüllt mit Buddha-Figuren Hmong-Dorf

Auf dem Rückweg machten wir Halt in einem Hmong-Dorf, sahen den traditoinell gekleideten Frauen beim Weben zu, verteilten Luftballons und Bonbons an die Kinder und assen einen Salat aus unreifen Papaya. Nur wenige Stunden später sassen wir schon wieder im Flugzeug, welches uns zurück nach Vientiane brachte. Dort feierten wir das tolle Erlebnis und unseren letzten Abend in Laos in einem italienischen Restaurant bei Pizza, Spaghetti, Chianti und selbstgemachtem Glacé.

Salat aus unreifen Papaya Buddha-Park

Am folgenden Tag mussten wir Laos schon wieder verlassen. Wir hatten in China nur ein 14tägiges Visum erhalten, welches nun auslief. Eine Verlängerung wäre zwar problemlos (für 3 US-Dollar am Tag) möglich gewesen, aber uns zog es nach Thailand, in die „Zivilisation“ und vor allem – ans Meer! In der Frühe gingen wir noch einmal in die gute schwedische Bäckerei am „Circle Fountain“, erledigten die letzten Emails, bevor wir los fuhren. Auf dem Weg zur Grenze besuchten wir noch den bizarren Buddha-Park mit seinen Hunderten von verschiedenen Figuren, dann fuhren wir auch die sogenannte „Friendship-Bridge“ zu, die Brücke über den Mekong, welche Laos und Thailand von einander trennt.

Der laotischen Grenzbeamte schaute uns wieder mit grossen Augen an. Er holte seine Kollegin, die im Büro Tetris spielte, zu Hilfe. Sie wusste aber auch nichts mit uns anzufangen, also führte sie mich ins Büro des Kommandanten. Der liess mich eine Viertelstunde warten, doch als ich ihm dann aber unser Thai-Visum und den magischen Brief des Konsuls zeigte, war für ihn die Welt in Ordnung: Wir durften fahren. Noch vor der Brücke zeigten grosse Schilder und blinkende Pfeile an, dass hier die Strassenseite gewechselt werden musste: Ab sofort gilt Linksverkehr!

Wir bezahlten die Brückengebühr und fuhren los. Unter uns floss träge der Mekong, hinter uns lag Laos und vor uns winkte die rot-weiss-blau gestreifte Flagge des Königreiches Thailand...

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